aktuelle Wetterinfos & Blog für Norddeutschland (NS & MV)
03.07.2020 Langfristprognose Juli: ECMWF vs. NOOA
über die sog. Langfristprognosen kann man ja geteilter Meinung sein. Die einen sagen Unsinn, die anderen versuchen daraus etwas heraus zu lesen. Was hat es mit solchen Langfristprognosen überhaupt auf sich? Grundsätzlich: es sind keine Wettervorhersagen, sondern lediglich Prognosen über die gemittelte Witterung. D.h. es wird für die beiden Hauptparameter Temperatur und Niederschlag ein Monatsmittelwert berechnet und diese mit dem langj. Mittel verglichen. Heraus kommt eine Karte mit sog. Anomalien, also eine Aussage darüber, ob es eher wärmer oder eher kälter, nasser oder trockener wird, als im Vergleichszeitraum des langj. Mittels. Aber selbst diese Reduktion der Vorhersage, geht oft schlichtweg in die "Hose". Trotzdem haben diese Berechnungen ihren Sinn. Denn die anschließenden Analysen, was warum anders gekommen ist, tragen langfristig zur Verbesserung dieser Vorhersageart bei.
Das europäische ECMWF sieht den Juli bei uns eher durchschnittlich, mit rel. geringen Abweichungen vom langj. Mittel. Das gilt sowohl für die Temperaturen als auch für den Niederschlag. Der äußerste Norden ist sogar etwas zu kalt, der Rest absolut durchschnittlich. Beim Regen sieht es ähnlich aus: der Norden normal bis leicht zu naß, die Mitte eher etwas zu trocken und der Süden zu naß. - Also von einem Hitze- oder Dürresommer keine Spur. (Karte 1 & 2)
Ganz anders das amerikanische NOOA-Modell: ganz D zu warm und extrem trocken -> schon fast Wüstencharakter. Also ein Dürremonat, schlimmer wie wir ihn die letzten beiden Jahre hatten (Karte 3 & 4). Vor 10 Tage hatte auch NOOA den Juli noch viel entspannter gerechnet. Sämtliche medialen Horrormeldungen lassen sich so wunderbar einordnen: sie wissen es auch alle nicht!!!!
Schaut man sich allerdings mal die 16-Tagetrends von GFS, GEM und auch ECMWF an, so liegen diese 3 Modelle allesamt nicht soweit auseinander: bislang wird seit Tagen bei allen drei Modellen eine eher kühl/wechselhafte und mal eine warm/gewittrige Wetterphase berechnet. Vergleicht man das jetzt mit den beiden Langfristprognosen, so scheint sich die Waage doch eher zum Wechselhaften, mit Schauern und Gewittern durchsetzter Wetterphase zu neigen. Zumindest erscheint jetzt ein Dürre-Juli, von dieser Extremität wie von NOOA berechnet, sehr unwahrscheinlich.

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01.07.2020 Rückblick: ein ganz normaler Juni
Bezogen auf das langj. Mittel von 1961-1990 war der Juni 2020 in Norddeutschland ca. 2,0° C zu warm, mit 90-110 % des normalen Niederschlags auch im grünen Bereich - und die Sonnenstunden lagen ganz ähnlich. Also ein ganz normaler Juni, wenn man von der Mitteltemperatur mal absieht. Dabei gibt es allerdings regionale Unterschiede: so war es im östlichen Vorpommern wieder mal zu trocken, während andere Regionen deutlich zu nass waren. Im sog. Flächenmittel war es jedoch ausgeglichen, Mecklenburg kommt da auf 103 %, Niedersachsen auf 89 %. Die Abweichung der Mitteltemperatur fiel dagegen fast überall ziemlich gleich aus.
Nimmt man allerdings das ab nächsten Jahr geltende Klimamittel von 1991-2020, so wäre dieser Monat in einigen Regionen schon fast zu kalt gewesen. Wie man der Bevölkerung, die sich mit solchen "Feinheiten" eher selten beschäftigt, zukünftig den Klimawandel und eine Erwärmung vermitteln will, wenn man vorrechnet, daß das Jahr zwar im langj. Mittel 0,5° zu kalt, aber im Grunde dennoch zu warm war, ist mir schleierhaft.

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Markierungen
1= Verden/Aller
2= Lüneburger Heide
3= SO-Mecklenburg / Woldegk
4= Wolfenbüttel
5= Mainburg/Bay.
6= Mühlhausen/Thür.
H= Hochdruck
T= Tiefdruck
globale Vorhersagemodelle:
GFS (USA); GEM (Canada); ECMWF (EU); ICON (DWD); ARPEGE (Meteo France); HIRLAM (NL);
lokale Vorhersagemodelle:
COSMO (DWD-lokal); AROME (EU); WRF und HIRLAM (freie lokale/regionale Vorhersageprogramme)
GFS-Ensemble 850hPa (1500m):
rote Linie = Temperatur des langj. Mittel
weiße Linie = Mitteltemperatur aller Modelläufe
grüne Linie = Hauptlauf
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Matthias Krücke, www.woldegk-wetter.de
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